carboplatin nach seminom

Chemotherapie, Bestrahlung, Operation, alternative Methoden, Psychoonkologie, Wait and See
tobs
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carboplatin nach seminom

Beitragvon tobs » 07.02.2006, 09:20

liebes forum,
kurz vor weihnachten wurde bei mir ein hoden wegen eines seminoms stufe 2/2 entfernt. das seminom war invasiv und hat sich in einzelne kappilare des hodengewebes begeben. entfernte lymphknoten waren negativ. leider hat man in anschl. CT auch eine vränderung an der rechten niere festgestellt - nach op war klar das waren zwei sehr kleine nierenzellkarzinome stufe 1/1 die herausgeschnitten wurden. diese haben mit dem seminom nichts zu tun. was die weitere behandlung der niere betrifft gibt es sowieso nur die engmaschige kontrolle.
für das seminom wurden mir die 3 üblichen methoden offeriert. ich tendiere zur einmaligen, eintägigen carboplatin chemo. hat jemand damit erfahrung gemacht und kann mich bei meiner entscheidung unterstützen?
liebe grüsse und alles gute TOBS

thomas
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Re: carboplatin nach seminom

Beitragvon thomas » 14.07.2010, 21:20

Hallo TOBS, hallo liebes Forum,
ich habe jetzt eine ähnliche Diagnose bekommen, HT rechts ca. 9 mm, Seminom 1. Stadium, der Hoden wurde entfernt. CT Bauch und Röntgen Thorax negativ. Nach Aussage des Urologen bleibt ein Restrisiko von 15-20 %, Möglichkeiten Chemo einmal ambulant mit Carboplatin (würde das Risiko auf 4 % verringern und sei angeblich harmlos) oder wait and see (oder Bestrahlung, würde auch auf 4% senken, hat aber abgeraten, weil nach 15-20 Jahren das Risiko anderer Krebsarten im Bauchraum erhöht sei).
Habt ihr Erfahrung oder Tips, was ich tun soll?
LG
thomas

mariob

Re: carboplatin nach seminom

Beitragvon mariob » 24.03.2011, 21:13

Hallo,
auch wenn der Bereicht schon etwas älter ist, möchte ich gerne antworten.
Bei mir wurde im März 2010 ein seminomatöser Keimzellentumor des linken Hodens im Tumorstadium pT2, cN0, cM0, L1, V1, S0 (reines klassisches Seminom; Tumoreinbruch in Lymph- und Blutgefäße Tumorinfiltration des rechten Hodens; Tumorgröße: stolze 5,1cm).
Soweit die harten Fakten. Nach der Operation stellte man mir frei, die Wait-n-see Variante oder zwei Zyklen Carboplatin zu machen. Die Ärztin merkte mein Zögern und sagte schließlich, wenn "Sie mein Bruder wären, würde ich Ihnen defintiv zu der Chemo raten".
Zwei Wochen später begann mein erster Zyklus, der aufgrund möglicher Nebenwirkungen stationär im UK Münster stattfand. Ich vertrug das Prozedere recht gut und wurde am Folgetag entlassen. Der eigentliche Hammer, der mit sehr starkem Unwohlsein folgte, kam erst am Ende des zweiten Tags und dauerte ca. 48 Stunden. Das ganze wiederholte ich einen knappen Monat später ambulant mit dem selben Verlauf. Daneben hatte ich keinerlei der möglichen Nebenwirkungen (z.B. Tinnitus, Haarausfall, etc.).
Heute ist fast ein Jahr seitdem vergangen. Ich bin in der Nachsorge und hatte just an diesem heute Tag meine PET/CT-Untersuchung und vor einer Woche Ultraschall und Blutuntersuchung. Auch wenn die Ergebnisse noch ausstehen und ich gelernt habe, dass es keine Sicherheit gibt, würde ich mich heute wieder für die Chemo entscheiden. Ich bin mir sicher, dass ich durch diese Maßnahme meine Heilungschancen auf ein Maximum gehoben habe. Es ist manchmal einfach ein gutes Gefühl zu wissen, dass ich alles gemacht habe, was ich für meine (hoffentlich nachhaltige) Genesung tun konnte; auch um meiner Verantwortung als Familienvater gerecht zu werden. Insbesondere in schwachen Momenten, die mich dann und wann auch mal einholen, ist dies ein nicht zu unterschätzendes psychologisches Moment.

Ich wünsche Euch und allen Betroffenen und Angehörigen alles erdenkliche Gute..
Gruß, Mario

p.s. Ich werde übrigens in zwei Monaten wieder Vater... weniger ist manchmal mehr... ;)

Gast

Re: carboplatin nach seminom

Beitragvon Gast » 24.10.2013, 22:26

Hallo,
kurzer Abriss meiner Erfahrung mit Carboplatin:
Ich Ende 40, Diagnose Ende 2005, ein Hoden wurde entfernt, anschließend lange Überlegungen was zu tun ist. Chemo? Bestrahlung? See and wait?
Ein ehrliches Gespräch in der Krebsklinik mit den leitenden Ärzten war auch der Ausschlag für die Entscheidung. Das Gespräch war sehr offen, obwohl die Stationsärztin und Ihr junger Assistenzarzt unglaublich übermüdet und überlastet wirkten. Meine direkte Frage an den jungen Assistenzarzt: " Was würden SIE an meiner Stelle tun?" Die Antwort war: "Chemo", begleitet vom einem fast nicht sichtbarem zustimmenden Nicken der Stationsärztin. Das war eine eigenartige Situation, aber ich glaube die Antwort war absolut ehrlich.
Beruflich kenne ich mich mit Radioaktivität eine wenig aus, ein Gespräch in der Fachklinik brachte Aufschluss, ich entschied mich ganz schnell gegen Bestrahlung.
Nun gut, Anfang 2006 habe ich dann meine Dosis CP ambulant bekommen. Ich lebte damals allein und hatte mich vorher gut vorbereitet. Wohnung geputzt und soweit möglich desinfiziert, reichlich Vorräte angelegt und jede Menge an trinkbarem eingekauft.
Nach der Infusion ging es nach Hause. Über einige Tage war nur Trinken, etwas essen und viel schlafen möglich. An der Küchentür hatte ich einen Zettel befestigt und meinen Verzehr an Flüssigkeiten dokumentiert. Teilweise bis 6-7Liter am Tag. Wobei Tag relativ ist. Die Grenzen zwischen Tag und Nacht sind verschwommen.Manchmal lag ich im Bett und dachte ich hinterlasse einen tiefen Abdruck in der Matratze, ich fühlte mich zeitweise unendlich schlapp. Das Mittel gegen Übelkeit hatte gut geholfen, wenig Kotzerei und meine Haare habe ich auch behalten und meine Nieren sind topp.
Soweit so gut, irgendwann war auch die zweite und dritte Sitzung überstanden. Meine Blutwerte habe ich in einer Exceltabelle als Diagramm festgehalten, erinnerte irgendwie an den Börsencrash von 1929.
In den Monaten danach hatte ich gut 17kg abgenommen, und meine ursprüngliche Leistungsfähigkeit bis heute nicht mehr erreicht.(Konzentrationsschwäche, geschweige den 170km mountainbiken in der Woche, die Ärzte sagten man wird ja auch älter ...) .
Was geblieben ist: trockene Haut und Geräuschempfindlichkeit, die Reizbarkeit (dünnes Nervenkostüm) lag wohl an dem Gesamtstress). Die anschließende Depression hing wohl auch mit der Gesamtsituation zusammen. Meine Zeugungsfähigkeit habe ich behalten (Test), allerdings wäre mir das Risiko zu groß irgendeinen Mist zu vererben. Von daher habe ich meine Gene für den Fall der Fälle tiefgekühlt archivieren lassen. (Besser können und nicht wollen, als andersherum.)
Resume: Scheiß harte Zeit, keine Ahnung ob see and wait besser gewesen wäre. Entscheiden würde ich mich heute wohl wieder so wie damals. Hätte ich zwei Leben, würde ich zu gerne vergleichen können. :wink:

Achja: Woran merkt man das man älter wird? Die Ärzte sind jünger als man selber....


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