Ein kurzer Überblick..

Berichte und Erfahrungen zum Leben mit Hodenkrebs, Leben und Sterben

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gronf
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Ein kurzer Überblick..

Beitragvon gronf » 19.02.2006, 14:09

Hallo, liebe Mitbetroffenen und Angehörige,

ich möchte euch nun meine Geschichte über den Hodenkrebs berichten:

Ich hatte im November 05 einen Fahrradunfall (Aufschlag mit meinen Hoden auf den Rahmen beim Sturz) und mir anfangs nicht viel dabei gedacht.
Einen Monat darauf war mein linker Hoden immernoch geschwollen (okay, ich habe vorher nie groß abgetastet etc., weil ich nie daran glaubte, an Krebs oder sowas zu erkranken.).

Im Januar habe ich mir dann einen Termin beim Urologen geben lassen, der mich dann tags darauf ins Krankenhaus einwies. Die OP folgte nochmal einen Tag später (ging alles sehr schnell).
Knapp eine Woche nach der OP hab ich ne ausgewachsene Wundheilungsstörung bekommen, die meinen Aufenthalt im Klinikum etwas verlängerte, und zum selben Zeitpunkt den histopathologischen Befund bekommen.

Laut Histo gabs keine Auffälligkeiten, Tumor war gekapselt, keine Metastasen. Nur der CT zeigte einen ca. 2,5 cm großen Lymphknoten.

Daraufhin wollte mich das Ärzteteam nach der verheilten Wundheilstörung mit nem Bauchschnitt operieren (RLA). Dazu kam die Aussicht vom Chefarzt der Urologie, dass die Zeugungsfähigkeit danach ziemlich sicher dahin ist.
Nice prospects, gelle?

Das konnte und wollte ich also so nicht akzeptieren. Zum Glück habe ich Ärzte in der Familie (an dieser Stelle meinen allerliebsten Dank an meine Schwester, meinen Schwager und all denen, die sich mit meinem Fall befasst hatten/haben.) und die haben das mit vielen guten Freunden (deutschlandweit) besprochen, wobei einer von ihnen das wiederum an die Koryphäe (Prof. Dr. Albers in Kassel) schlechthin weitergeleitet hatte.

Der Prof. hat alle meine Unterlagen bekommen, sich mit seinem Team beraten und auch in einem Uniklinikum mit Kollegen getroffen.
Er verlangte nach Durchsicht der Unterlagen eine erneute pathologische Untersuchung, da er auf Ungereimtheiten stieß, und seine Vorahnung, bzw. Erfahrung wurden bestätigt.

1. Der diagnostizierte Lymphknoten war keiner. (bin kein Mediziner, aber der Prof, meine Schwester und mein Schwager waren ziemlich entsetzt.. ich sag euch später, was da wirklich bei mir drin ist.)

2. Die vaskuläre Invasion (sprich: Arterienbefall im befallenen Hoden) wurde festgestellt.

Was bedeutet das für mich?

1. Keine RLA, also operative Entfernung irgendwelcher Lymphknoten.

2. Zwei Zyklen Chemotherapie.

Was hätte es bedeutet, wenn ich nur auf die erste Meinung gehört hätte?

1. Eine unnötige und unsinnige Operation, bei der mir wohl irgendwas rausgenommen worden wär, oder vielleicht auch nicht. Ne schöne lange Narbe vom Oberbauch bis runter.. (das kommt gut, wenn man knapp 1.90m gross ist.). Von den Risiken ganz zu schweigen.. und dann noch der Verlust der Zeugungsfähigkeit.

2. Die hundertprozentige Gewissheit, rezidiv zu werden (d.h. rückfällig), da eine Chemo ursprünglich nicht in Frage kam.

Mein Rat an euch alle:

Wir wissen ja, das Chirurgen allzugerne schneiden, aber holt euch immer eine zweite oder dritte Meinung ein.
Natürlich wird das eurem behandelnden Arzt nicht schmecken, das tat es in meinem Falle auch nicht, aber da muss der Arzt durch.
Nicht jeder hat einen Arzt in der Familie und so viele gute Leute im Background.
Ich hatte und habe wirklich Glück, aber es ist euer gutes Recht, alles nochmal überprüfen zu lassen, denn es ist euer Körper und eure Gesundheit.

Es geht auch nicht darum, solange zu einem Arzt zu gehen, bis man eine wünschenswerte Diagnose erhält, sondern darum, gemachte Fehler und Fehldiagnose zu erkennen und zu korrigieren.
Niemand ist unfehlbar und ihr wisst ja selbst, wie es bei den Ärzten in Deutschland aussieht: Viele Arbeitsstunden und Akkord-OPs, Stellenabbau in den Kliniken, Kostenreduzierung etc. etc.

und noch was:
Seid stark und lasst euch helfen. Den Kopf in den Sand zu stecken ist das Falscheste was ihr machen könnt, denn die Zeit läuft immer gegen euch.
Freunde, Familie und Verwandte sind das beste, was euch in der schweren Zeit hilft. Seid keine Einzelkämpfer!
Ich schreibe dies, weil ich selbst dazu neige Einzelkämpfer zu sein, aber ich wurde eines Besseren belehrt.
Habt die Kraft und den Willen, den Krebs zu besiegen und ihr werdet es auch tun.
Ich hatte viel viel Glück, denn ich bin weiterhin im Stadium I, aber selbst in anderen Stadien stehen die Chancen sehr gut, geheilt zu werden.
Und ganz wichtig: Macht euch nicht selbst fertig. Das hilft euch nicht und ihr braucht die Kraft zum Kampf gegen den Krebs. Schaut nach vorne!

So, das war Teil 1 meiner Geschichte..
Teil 2 lest ihr, wenn ich mit der Chemo durch bin.

Ich wünsch euch allen das Beste, was man sich wünschen kann.
Kraft, Stärke und den Willen.

Euer
Andi
--
Der Eineiige ist der König der Eunuchen.
(mein Paps)

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Beitragvon HT-Patient1989 » 03.11.2007, 17:38

Hey gronf, alias Andreas Kari (?)

ich bin besorgt !

... hast in knapp 2 Wochen 9 Beiträge geschrieben ...

... im oberen noch auf mögliche Fehldiagnosen von Deinem behandelnden Arzt hingewiesen ...

... bin dazu noch auf die Aufklärung gespannt:
>> 1. Der diagnostizierte Lymphknoten war keiner. (bin kein Mediziner, aber der Prof, meine Schwester und mein Schwager waren ziemlich entsetzt.. ich sag euch später, was da wirklich bei mir drin ist.) << ...

... und möchte Dich hierzu ernst nehmen:
>> So, das war Teil 1 meiner Geschichte..
Teil 2 lest ihr, wenn ich mit der Chemo durch bin. <<



Zwei Zyklen Chemo können doch nicht von Feb. 2006 bis heute dauern ... und auch Deine HP ist nicht mehr aktiv ....

Ehrlich - es macht mich nachdenklich ... bin besorgt ... etwas Angst steigt in mir auf ...

MICH würde interessieren, wie es Dir geht ... und wie nun der 2. Teil aussieht.
Lieben Gruß ...
Stefan - HP
> htpatient(at)web.de <

>> Mein Leben ist die FREIHEIT - ich will die Welt erLEBEN <<

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Beitragvon HT-Patient1989 » 03.11.2007, 17:41

Ich habe oben mit NEIN gevotet ... weil mir hier bislang das FEEDBACK fehlt ... und bisweilen dieser Stand:

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