Hodenkrebs mit 44

Berichte und Erfahrungen zum Leben mit Hodenkrebs, Leben und Sterben
André

Hodenkrebs mit 44

Beitragvon André » 23.07.2010, 16:04

Ich bekam die Diagnose Hodenkrebs am 13. Juli 2010.

Am 14. Juli 2010 wurde schon operiert (Entfernung des Hoden) und eine Gewebeprobe des anderen Hoden wurde entnommen.

Ich selber stelle mir immer wieder die Frage, warum bin ich nicht früher zum Arzt gegangen? Die Anzeichen waren schon sehr deutlich, doch ich habe sie nicht verstanden.
Jetzt im Nachhinein weiß ich es auch besser. Ein anschwellen des Hodens ist ein Anzeichen für Hodenkrebs.
Eine solche Diagnose zu bekommen ist schon ein Schock, da ist es egal wie alt man ist. Ich habe einen guten Arzt, der mir alles offen sagt und jede Frage beantwortet.
Doch es spielt sich einfach vieles nur im Kopf ab. Das der Krebs bösartig ist, das sagte mir mein Doc schon am ersten Tag. Die Op hab ich auch sehr gut überstanden.
Am schlimmsten empfinde ich zur Zeit, das ewige Warten auf die weiteren Untersuchungsberichte. Immer wieder Blutabnehmen. Zumindest gibt es da etwas psoitives für mich, die Werte sind von 1800 auf 600 gefallen.
Heute wurde ein CT gemacht, Lunge und Bauchraum.
Nun steht das Wochenende an also wieder viel Zeit zum Nachdenken.

Würde mich freuen wenn mir andere Mitteilen könnten wie sie damit umgegangen sind.

freundliche Grüße
André

Marcus
Beiträge: 4
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Re: Hodenkrebs mit 44

Beitragvon Marcus » 01.08.2010, 13:10

Hallo Andre,

als ich meine erste Diagnose bekam, das war 1996, habe ich mir keine großen Gedanken gemacht. Ich war noch jung (21) und mein Arzt hatte mich auch direkt beruhigt, daß ich mir keine Sorgen machen soll. Hodenkrebs hat ja zum Glück sehr gute Heilungschancen, weit über 90% im frühen Stadium, und anders als bei anderen Krebsarten ist auch echte Heilung gemeint, keine 5-Jahres-Überlebensraten.

Das einzige, was ich als wirklich belastend empfunden habe, war die Frage der Zeugungsfähigkeit, welche durch die Bauch-OP (retroperitoneale Lymphadenektomie, kurz RLA) und die Chemotherapie in Mitleidenschaft gezogen werden kann, und meine Familienplanung war natürlich damals noch nicht abgeschlossen (bin aber trotzdem Vater zweier wundervoller Töchter geworden).

Alles andere war gut zu ertragen: den Verlust des einen Hodens fand ich kaum der Rede wert, die RLA-Narbe war schon nicht schön, aber im Endeffekt auch nicht wild, die Chemotherapie war natürlich auch nicht direkt ein Spaß, aber mit modernen Medikamenten merkt man da kaum noch etwas von.
Wenn Du Glück hast, kommst Du um RLA und Chemo oder Bestrahlung herum (sog. 'wait and see'-Strategie), hängt natürlich vom CT-Ergebnis und den Tumor-Markern ab. Leider weiß ich nicht, welchen Tumormarker Du beschreibst, es gibt ja, je nach Art des Krebses, verschiedene (beta-HCG, AFP, LDH).
Die Unruhe wegen des Wartens auf die Untersuchungsergebnisse kann ich nachvollziehen. Es wird leider so sein, daß Du auch nach der Therapie noch jahrelang immer wieder zu Nachsorge-Untersuchungen gehen mußt. Ich selbst bin 12 Jahre zu diesen Untersuchungen gegangen (wurde auch drei mal noch operiert, allerdings war es immer gutartig). Am Anfang hat man noch Angst vor den Ergebnissen, irgendwann faßt man aber Vertrauen und es wird so ein bißchen wie der halbjährliche Besuch zur Kontrolluntersuchung beim Zahnarzt. Nach den 12 Jahren habe ich dann zusammen mit meinem Urologen beschlossen, daß weitere Untersuchungen nicht notwendig sind (normalerweise geht man nach 10 Jahren ohne Befund von einer Heilung aus). Irgendwie war es damals dann doch sehr befreiend, das Kapitel abschließen zu können.

Was mich nie beschäftigt hat, waren Fragen wie 'Warum ich?', ich habe auch nie Wut oder Zorn verspürt (auf wen auch?). Im Nachhinein habe ich mich manchmal nur geärgert, daß ich die Krankheit nicht schon damals als Signal genommen habe, genau darauf zu achten, was ich eigentlich im Leben will, und mein Leben danach auszurichten.

Dazu habe ich jetzt eine zweite Chance bekommen. Nach 14 Jahren ist der Krebs wiedergekommen, ziemlich heftig (ich erspare Dir die Details), und ich bin jetzt fest entschlossen, einiges anders zu machen. Auch jetzt gibt es noch gute Chancen auf Heilung für mich, die Therapie hat gut angeschlagen. Allerdings weiß ich, daß mich die Krankheit jetzt auf jeden Fall bis an mein Lebensende (wann immer das auch sein mag) begleiten wird, darauf muß ich mich einstellen. Manchmal ist es nicht so leicht, nicht die Hoffnung zu verlieren und die Zuversicht zu erhalten, aber zu verzweifeln nützt nun wirklich nicht.

Ich hoffe, daß Du keine schlechte Nchrichten von den Untersuchungen bekommen hast und wünsche Dir viel Erfolg bei den weiteren Schritten.

Viele Grüße
Marcus


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