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Nicht immer ist es das Schlimmste - Erfahrungsbericht

Verfasst: 30.06.2015, 23:58
von xiphias
Über die letzten Wochen habe auch mir in diesem Forum abwechselnd Mut und Angst gemacht und möchte nun meine Erfahrungen weitergeben.

Ich erlitt Ende April bei einem Arbeitsunfall einen Bruch des rechten Knöchels. Dadurch gezwungen mich im Sitzen zu waschen entdeckte ich drei Wochen später ein drittes Ei, über und hinter dem linken Hoden. Beim Sitzen kam es auf dem eigentlichen Hoden zu liegen während es im stehen weiter oben im Sack war und daher bei einer normalen Selbstuntersuchung nicht auffiel. Fast unfähig zu gehen und gesegnet mit einem Hausarzt im dritten Stock ohne Aufzug un in einer steilen engen Strasse wo kein Auto hin kommt, hatte ich dann drei Wochen Zeit in Panik zu verfallen. Im Irrglauben das es nach dem 30. Lebensjahr kaum mehr zum Hodenkrebs kommt (bin 37) war ich in den letzten Jahren auch eher nachlässig was die Selbstkontrolle betrifft. Daher hatte ich dann auch Zweifel ob der etwas grössere linke Hoden nicht etwa doch krankhaft verändert ist.
Endlich wieder fähig einigermassen sicher , wenn auch noch mit Krücken, zu gehen kam ich montags endlich zum Hausarzt der mich dann auch sofort zum Ultraschall schickte. Dort brauchte man ca. 30 Sekunden um festzustellen das es sich um eine flüssigkeitsgefüllte Zyste, eine Spermatozele handelt, während die Hoden selbst in 1A Zustand sind. Obwohl ca. so gross wie eine grosse Bohne muss diese Zyste nicht weiter behandelt werden, ausser sie vergrössert sich in der Zukunft so sehr das sie Druck auf die umliegenden Organe ausübt.

Das Fazit das ich weitergeben möchte:
1. Solange noch ein, wenn auch geringes, Risiko besteht regelmässig kontrollieren, das schafft Sicherheit wie sich die Dinge im Beutel anfühlen müssen.
2. Der erste Eindruck ist oft der Richtige. Nach einem ersten googeln möglicher Veränderungen im Hodensack kam ich durch Lage und Tastmerkmale der Schwellung zum Schluss das es sich um eine Spermatozele handeln muss. So war es dann auch, ich hatte aber bis ich endlich zum Arzt kam genug Zeit mir in den buntesten Farben einen baldigen und schrecklichen Krebstod auszumalen.
3. Viele scheuen sich ja auch deshalb bei Problemen am Sack zum Arzt zu gehen, weil es unangenehm ist sich for verschiedenen Ärzten (vielleicht sogar weiblichen) zu entblösen. Da ich mich mitte Zwanzig aus medizinischen Gründen beschneiden lassen musste hatte ich diesen Prozess der Überwindung schon hinter mir und kann sagen das man(n) da nicht peinlich berührt sein muss. Speziell die Fachärzte auf der urologischen Abteilung sind da so abgestumpft oder auch entsprechend ausgebildet das sie einem das Gefühl geben ihr Interesse an den dargelegten Genitalien wäre mit dem Interesse eines Fleischers an einer Schweinehälfte vergleichbar. Also im Zweifel nur keine falsche Scheu und ehestbaldigst zum Arzt!
Zwei Kommentare meines Hausarztes möchte ich noch weitergeben:
"Natürlich rechnen Sie mit dem Schlimmsten, sonst wären Sie ja nicht gekommen." (wie wahr)
"Gehen Sie nach Hause und machen Sie sich keine Sorgen." Nach einem Blick auf die Uhr: "Ach nein, gehen Sie arbeiten, dann haben Sie keine Zeit dazu."