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Vorgeschichte bis kurz vor Beginn der Chemo.

Verfasst: 26.04.2012, 09:51
von holger
Guten Tag an alle Betroffenen, Zweifelnden und Angehörige. Ich möchte meine Vorgeschichte hier darlegen. Vielleicht sieht sich jemand in den Zeilen, findet Trost, kann offenstehende Fragen beantworten oder hat einfach nur ein paar Tipps.

Wir haben Ende April und ich bin Mitte 34. Ich stehe ein paar Tage vor dem Beginn meiner Chemotherapie. Doch gehe ich weiter zurück. Dahin, wo ich mich fragte, warum der eine Hoden leicht größer ist als der andere. Das war vor vielleicht fünf Jahren. Damals dachte ich mir: „Es gibt Leute, bei denen ist ein Bein kürzer als das andere oder Frauen, mit einer kleineren und größeren Brust“. Also habe ich mir nichts weiter dabei gedacht, denn ich war Beschwerdefrei und hatte ein erfülltes Sexleben.

Ich habe einen Sitzjob. 10,12 und mehr Stunden im Sitzen arbeiten ist für mich normal. Bis sich letztes Jahr mein Rücken meldete. Sport war für mich, bis auf regelmäßige und lange Spaziergänge kein Thema. Aber auf die Ernährung habe ich geachtet. Genug trinken, wenig Fleisch viel Rohkost. Der Orthopäde meinte, ich hätte durchs Sitzen ein Hohlkreuz und Muskelverkürzung, die ich dann mit regelmäßigen Übungen daheim gut behandeln konnte. Trotzdem habe ich auffällig oft, nahezu täglich, ein heißes Bad genommen. Was zwar dem Rücken guttat – aber meinem Hoden nicht. Und so wuchs er in den letzten Monaten auf das Doppelte. Gegen die Rückenschmerzen nahm ich gerne auch mal ASS – wahrscheinlich zu oft.

Als nun auch beim Sitzen Probleme hatte, mich nicht auf den Hoden zu setzen, reichte es mir und ich ließ mir eine Überweisung zum Urologen geben. Das war vor sechs Wochen. Dieser stellte dann unmittelbar einen Hodentumor fest. Das Gefäß zum Hoden war hart und geschwollen. Dann ging alles ganz schnell. Der Arzt, eine Belegarzt am Krankenhaus, machte die Einweisung fertig und eine Woche später war ich auf Station. Eine OP stand an. Nicht nur der Hoden, sondern auch die komplette „Anlage“ musste einseitig entfernt werden. Also CT Oberkörper und MRT Kopf. Im Kopf keine Metastasen gefunden, aber sind einige Lymphknoten befallen und auch in der Lunge hat sich ein wenig abgesetzt. Alle anderen Organe sind soweit Ok. Die Ärzte sagen mir, das die Heilungschancen gut sind.

Nach der OP musste ich zehn Tage im Krankenhaus ausharren. Dabei stellten sich erhebliche bis schmerzhafte Verdauungsstörungen mit massiven Blähungen ein. Der Stuhlgang kam drei Tage nicht. Stattdessen nur Luft und selbst die lies auf sich warten. Ein Biss von der Stulle, und es blubberte und brodelte im Verdauungstrakt. Ich bekam 3 x Ibu600. Nach meiner Entlassung ging ich sofort zum Allgemeinarzt und schilderte ihm meine Verdauungsprobleme. Er verschrieb mir was Verdauungsförderndes, etwas „Entschäumendes“ und ein Brausepulver gegen Verstopfung. Ich hatte nicht wirklich den Eindruck, als hätte das geholfen. Viel mehr schaute ich, dass ich meine Ernährung umstellte und vermied Milch, Käse, Süßes etc. Stattdessen kochte ich täglich was Gemüsiges und trank dazu Kräutertees (Fenchel, Anis, Kümmel). Langsam geht es und die Schmerzen sind langsam weniger geworden. Ich kann sogar wieder durchschlafen, was z.T. gar nicht ging. Ich komme sogar fast ohne Schmerzmittel aus (halbe IbuLysin 500). Die OP-Narbe verheilte ganz gut. Nach einer knappen Woche nach Entlassung kamen die Klammern stationär raus.

Eine Woche nachdem die Klammern rausgenommen wurden, war ich dann nochmal für zwei Tage in Krankenhaus zu verschiedenen Untersuchungen: Sono, Echo, Herz, Magenspiegelung – und zum Legen des Ports für die Chemo. Danach bin ich nochmal raus, damit es eine Woche später mit der Chemo losgehen kann. Und das ist jetzt.

Zwischenzeitlich hat mir meine Lebensgefährtin einen Iro rasiert. Sieht bekloppt aus. Wollte ich aber immer mal ausprobieren. Manche sagen (die nicht wissen was mit mir los ist) es würde mir stehen. ;)