Seite 1 von 1

Ein Erfahrungsbericht über Hodenkrebs

Verfasst: 19.02.2011, 13:16
von Hodenkrebsveteran
Hallo Leidensgenossen,

ich möchte euch hiermit allen meine Erfahrungen bzgl. Hodenkrebs weitergeben.
Eines Tages beim Duschen habe ich eine starke Vergrößerung des linken Hoden bemerkt (keine Schmerzen!) -> Schock!!! Was ist das?? Naja, vielleicht ungünstig geschlafen, etwas abgeklemmt -> das wird schon...
Nach 2-3 Tagen ohne Besserung in den sauren Apfel gebissen und einen Termin beim Urologen gemacht. Nach einem Ultraschall und der Bemerkung seinerseits "mit Schmerzen würde es mir besser gefallen" wurde ich mit Antibiotika und einem Folgetermin in 5 Tagen nach Hause geschickt. Die ganze Woche brav die Tabletten geschluckt und den Hoden kontrolliert. Am Abend vor dem Folgetermin sank die Stimmung dann rapide, nachdem keine Besserung stattgefunden hatte. Also wieder Ultraschall und anschließend Termin im KH gemacht bekommen zur OP. Im Krankenhaus beim "Vor-OP-Termin" wurde bei mir wieder per Ultraschall der Hoden untersucht. Daraufhin wurde mir dann auch endgültig bestätigt, dass diese Gewebeveränderung, die per Ultraschall feststellbar ist, nur durch eine OP genau untersucht werden kann. Sprich: Ein Schnitt in der Leiste -> eine Probe vom Hoden nehmen, wenn Krebs, dann den Hoden entfernen und eine Probe von dem anderen Hoden nehmen um festzustellen, ob er ähnliche Anzeichen hat.
Was bei mir nach der OP (die total harmlos und kurz war -> brauch sich keiner verrückt machen und das meine ich ehrlich!!!) rauskam:
- bösartiger Tumor -> linker Hoden entfernt
- Probe des rechten Hoden entnommen, muss analysiert werden was ein paar Tage dauert
- übrig blieb ein Schnitt (6-7cm) in der Leiste und ein ganz kleiner ~0,5cm am rechten Hodensack

Zwei Tage nach der OP wurde eine CT bei mir gemacht (die berühmte Röhre). Hat ca. 3-4min gedauert und war total stressfrei.
Nach Durchsicht der Bilder durch die entsprechenden Ärzte wurde festgestellt, dass der Hodenkrebs nicht gestreut hatte bzw. keine Metastasen im Körper auffindbar waren. Das Ergebnis der Pathlogen über den rechten Hoden war, dass er keine Anzeichen für einen Tumor hatte.
Ich wurde an einem Dienstag Morgen operiert und war Freitag morgens wieder auf freiem Fuß. Klar, Spagat, Marathon oder Umzug klappt dann noch nicht aber sonst war alles prima.

Mein Fazit für alle, die etwas ungewöhnliches am "besten Stück" feststellen: Geht sofort und ohne Umwege zum Urologen und lasst das von einem Profi untersuchen. Je länger ihr damit wartet (das wird schon oder ich habe Angst bla bla), umso höher ist die Gefahr im Falle von Krebs, dass er sich im Körper verbreitet und lebensgefährlichen Schaden anrichtet. Es war eine interessante, dennoch nicht überaus schlimme Woche für mich. Vor dem OP-Termin habe ich eine Kryokonservierung durchführen lassen. Dies rate ich jedem, der noch keine Kinder hat, ob Kinderwunsch besteht oder nicht. Niemand kann mit Sicherheit sagen, ob er die Frau fürs Leben irgendwann trifft und vielleicht doch der Wunsch nach einem gemeinsamen Kind entsteht. Tritt dieser Fall ein und die Zeugungsfähigkeit ist durch Hodenkrebs oder eine eventuelle Chemo verloren gegangen und ihr habt keine Kryokonservierung machen lassen, ist es zu spät. Nehmt lieber die Kosten auf euch als später die Einsicht zu haben: "Hätte ich doch..."

So, genug geschrieben. Ich hoffe dieser Bericht hilft jedem, der diese Erfahrung wie ich machen muss. Also Kopf hoch, nicht warten sondern handeln!

Re: Ein Erfahrungsbericht über Hodenkrebs

Verfasst: 26.11.2011, 17:13
von helvetius
Mai/Juni 1996 stellte ich eine Vergrösserung und Vergröberung im rechten Hoden fest. Da dies allmählich geschah, fiel mir das gar nicht so auf. Beim Zusammendrücken mit der Hand war der Hoden unempfindlich. Irgendwo im Hinterkopf ahnte ich, dass ich es mal einem Arzt zeigen müsse, aber ich schob das vor mir her. Ich raffte mich dann aund rief an und erhielt gleich einen Termin. Wenn man etwas von Vergrösserung am Hoden sagt, leuchtet bei den Praxen offenbar eine rote Lampe auf. Ich ging also zu einem Urologen, ein älterer Herr, welcher den Hoden abtastete und einen Ultraschall machte. Er äusserte einen starken Verdacht auf Hodenk***,w as mich recht bestürzte. Der Arzt passte mir nicht und ich rannte noch zu einem anderen der zum gleichen Ergebnis kam. Dieser riet mir zu einer Punktion (Nadelstich) durch den Darm (oder Damm, weiss es nicht mehr) in die Prostata, was ich doch daneben fand, ging es doch um den Hoden. Dann war ich glaub noch bei einem anderen Urologen.
Dann, ich war etwas verstört, drückte ich den kranken Hoden mit der Hand ziemlich heftig; ich verspürte keinen Schmerz aber danach bekam ich einen dumpfen Schmerz im Unterleib. Das führte dazu, dass ich notfallmässig einen vierten Urologen, gleicher Jahrgang wie ich, aufzsuchte, der mich dann operierte. Ich war übrigens 42, was eher ein höheres Alter für Hodenkrebs ist, hat man mir gesagt.

Eine erfahrene Narkoseärztin machte mir mit einer Spritze ein Rückenmarksanästesie, was nicht ganz ungefährlich ist. Ich war also wach und vom Unterleib abwärts an gelähmt. Es wurde ein Schnitt in der Leiste gemacht und der Hoden heraufgedrückt in die Leistenhöhle (wie man das als Junge machen konnte) und herausgedrückt und aufgeschnitten, sage ich jetzt mal etwas salopp. Man sah ja im Ultraschall, was zu erwarten war. Wenn nichts gewesen wäre hätte man ihn theoretisch wieder hineindrücken und zumachen können. Der Hoden hängt ja am Samenleiter frei im Hodensack; hab das mal bei den "Körperwelten" gesehen. Man hat den Samenleiter ziemlich weit oben abgeklemmt, damit keine bösartigen Zellen rauskönnen. Beim gesunden Hoden wurde eine Biopsie durch einen Schnitt gemacht, den ich heute nicht mehr sehe.
Nun, es war ein Seminom Stadiumt 2a oder so; ich weiss es nicht mehr. Die Umhüllung war schon ein wenig durch den Kr*** angeknabbert.
Später wurde ein CT gemacht; die berühmte Röhre, um Metastasen im Bauchraum zu finden. Es waren keine da.
Dann wurden noch glaub ich 9 Bestrahlung gemcht, in der Form eines Eishockeschlägers, also die Mitte des Unterbauches und so schräg nach unten rechts zum fehlenden Hoden. Dabei war mir etwas schlecht und ich erhielt gegen die Übelkeit irgendwelche neue Tabletten. 5 Stück kosteten Fr. 120, was ich doch recht happig fand und ich verzichtete darauf.
Nach der Operation störte mich die gestörte "Sackmechanik". Der einzelne Hoden ist vermehrt zwischen den Beinen, wo er eher zusammengedrückt wird. Ich hätte ein Implatat aus Silikon haben können, wie mir der Arzt sagte, aber ich verzichtete darauf. Es fühlte sich einfach ungewohnt an, nur einen Hoden zu haben. Auf der anderen Seite war es angenehmer nicht mehr so ein dickes Ding in der Unterhose zu haben. Auf jeden Fall gewöhnt sich der Mensch an fast alles und ich empfinde es nicht mehr als unnormal, nur einen Hoden zu haben. Blöderweise war der "gesunde" Hoden betroffen, am anderen Hoden habe ich nämlich eine Spermicele, so eine Verdickung des Nebenhodens (meine med. Ausführungen sind ohne Gewähr). Auf jeden Fall funktioniert er noch.
Auf den Tag genau fünf Jahre nach der Operation kam mein zweiter Junge zur Welt.
Also Hodenk*** ist bei weitem kein Todesurteil, aber ein Schuss vor den Bug. Für mich hiess die Message: Hallo, Halbzeit des Lebens; memento mori, gedenke des Todes, dein Leben ist beschränkt.
Nach der Operation stellte sich heraus, dass ich eine mehr oder weniger eine chronische Prostatis habe, die ich mittlerweile ziemlich ignoriere. Aber das ist ein anderes Thema.