Antrag auf Schwerbehinderung stellen: JA/NEIN ...

Schwerbehinderung, Rechte und Pflichten im Arbeitsleben
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HT-Patient1989
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Antrag auf Schwerbehinderung stellen: JA/NEIN ...

Beitragvon HT-Patient1989 » 03.11.2007, 17:15

Hey ...

Ich bin Tumorpatient seit 1989 und so gut wie durchgängig im Berufsleben ...
Anfangs hatte ich einen GdB (Grad der Behinderung) von 100% auf 5 Jahre ... nach 2 Verlängerungsanträgen (je max. 6 Mon.) war ich zurückgestuft auf UNTER 20% ....
Nach meinem Rezidiv habe ich einen GdB von 80% auf 5 Jahre erhalten ... auch hier habe ich mit Verlängerungen etwas herausholen können und seither UNTER 20% ....

Generell ist mein erster Gedanke und meine Empfehlung den Antrag auf Feststellung zum Grad der Behinderung beim zuständigen Integrationsamt (Fürsorgestelle) wohnortnah zu stellen.

Anträge sollte jede Krankenkasse haben - auch der behandelnde Arzt kann solch einen Antrag heranholen. Der Arzt hilft sogar beim Ausfüllen.

Unbestritten gibt es immer Vor- und Nachteile .... diese sind abhängig von der Lebens- und Arbeitssituation und besonders von der INNEREN Einstellung des Betroffenen - also dem Tumorpatienten.

Es wird immer Menschen und somit auch Arbeitgeber geben, welche kein Verständnis für Behinderte aufbringen (können), weil es ihnen an Infos oder GRÖSSE fehlt.

Dennoch ist es gesetzlich geregelt, welche Ansprüche der Betroffene hat, wenn er es nachweislich feststellen ließ (Ausweis, Bescheid).

http://www.integrationsaemter.de/webcom ... 120/i.html
http://www.integrationsaemter.de/webcom ... 280/i.html

Grundsätzlich dürfen den Betroffenen KEINE NACHTEILE entstehen ... ggf. gibt es ein Klagerecht.

Deshalb wird auch von Versorgungsausgleich gesprochen ... um die erlittene Not etwas aufzufangen ... natürlich etwas gestaffelt nach festgestelltem Grad der Behinderung .... für HodenTumorPatienten wären das dennoch ... (nur Beispiele, sind im jeweiligen Gesetz nachzulesen!!!) ...

> erhöhter Kündigungsschutz
> mehr Urlaubstage
> Befreiung von Mehrarbeiten
> Befreiung von Nachtschichten
> ggf. behindertengerechte Arb-platzeinrichtung (Heben/Tragen)
> Steuererleichterungen, welche nicht unerheblich sind
> Vergünstigungen bei öffentlichen Einrichtungen (Eintritt, etc.)
> Vergünstigungen bei anderen Einrichtungen (Nachlässe)
> Fahrkartennachlässe
> usw.


Aus meinem Blickwinkel insgesamt MEHR Vorteile (Ausgleiche). Also stellte ich 2x meine Anträge ... teilte es umgehend meinem AG (Arbeitgeber) mit, denn der hat auch Vorteile daraus ... denn er muß per Gesetz 5 von 100 Mitarbeiter als Schwerbehinderte einstellen. Zudem wußte mein AG gleich, das eine betriebsbedingte Kündigung die Zustimmung der Fürsorgestelle braucht - sonst ist die Kündigung UNWIRKSAM. Solch Zustimmungen werden selten stattgegeben.
KLAR - eine verhaltensbedingte Kündigung (Diebstahl oder Schlägerei), im allgemeinen also fristlos, bedarf keiner Zustimmung mehr.

5 (fünf) Tage mehr Jahresurlaub ... also faktisch eine Woche ... war schon sehr entgegenkommend ... und hat mir beim Ausruhen und Kraft finden jährlich geholfen.

Meine Steuerbegünstigungen, besonders auf die Fahrkilometer und Pauschbetrag, habe ich mir auf die Lohnsteuerkarte eintragen lassen ... somit hatte ich GLEICH per Monat den Ausgleich mehr in der Tasche.

Niemand kann etwas dafür, wenn Menschen eine Behinderung wegen z.B. Hodentumorerkrankung erleiden ... warum also auf den zustehenden Ausgleich verzichten ... mußten WIR (die Betroffenen) nicht schon auf so vieles verzichten ....

Ein AG, der nachweislich aufgrund einer Behinderung eine ausgeschriebene Stelle einem Betroffenen absagt kann auf Nachteilsausgleich in sehr empfinsamer Höhe klagen ... es sollen schon mal Ausgleichsgelder bis zu drei Monatgehälter zugesprochen worden sein, wenn der Bewerber dort angefangen hätte (entspricht ungefähr dem Zeitraum einer durchschnittlich üblichen Probezeit) ...

http://www.sgb-ix-umsetzen.de/pdfmaker/ ... ORMAT=.pdf


JA - mir wäre auch wohler, wenn ich mich damals um angenehmere Dinge hätte kümmern können ... ich habe ziemlich schnell akzeptiert, das der Hodentumor - und alles, was damit dranhängt - ein Teil von mir und meinem Leben ist ... also auch die Rechte und Möglichkeiten .... wenn es POSITIV (also Vorteilsbedacht) gesehen wird.

Ich hoffe, mit diesem Beitrag etwas zu einer Entscheidungsfindung beigetragen zu haben ... SO-oder-SO ... wichtig ist:

Der Betroffene muss damit zufrieden sein.
Lieben Gruß ...
Stefan - HP
> htpatient(at)web.de <

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